Sabrina, was machst du eigentlich, wenn du nicht im Café Lotti bist?

Ihr Lieben, ich hoffe ihr hattet bisher einen tollen Sommer und vielleicht auch einen entspannenden Urlaub. Nach einer kurzen Blog-Sommerpause geht’s nun heute auch hier wieder weiter.

Letzten Freitag habe ich mit meiner ganzen Family eine geführte Radl-Tour durch München gemacht und im Gespräch mit meiner Tante hat sie mir erzählt, wie Kollegen von ihr sich darüber aufregen, dass der Chef nicht immer im Geschäft ist und sie sich fragen, was der eigentlich so den lieben langen Tag macht. Auch ich bekomme die Frage immer wieder gestellt, was ich denn mache, wenn ich mal nicht im Café bin. Das nehme ich nun zum Anlass und möchte euch erzählen, was man macht, wenn man mal nicht im eigenen Laden anzutreffen ist.

Cafe Lotti Marketing
  1. Das Geschäft aufbauen und entwickeln

Bevor ein Geschäft überhaupt losgeht und man die Tür aufsperren kann, ist viel Vorarbeit angesagt. Man muss über viel nachdenken, Dinge in Erfahrung bringen, Amtsgänge erledigen und einen Haufen organisieren.
Man glaubt und unterschätzt von außen oft, welche unglaubliche Vorarbeit da eigentlich geleistet wird und welchen Stress man als zukünftiger Unternehmer da schon hat, wenn es nicht so klappt, wie man es sich vorstellt.
Ist das Geschäft dann eröffnet, geht es mit der Strategie-Arbeit weiter. Wo möchte ich Jahr für Jahr hin, welche Produkte kommen dazu und fallen weg, welche finanziellen Ziele haben wir und wie bekomme ich meine Mitarbeiter auf meine Seite, damit sie diesen Weg mit mir mitgehen. Unsere Zeit ist schnell, Trends kommen und gehen. Ich als Chef stehe da in der Verantwortung, mich mit diesen auseinanderzusetzen und frühzeitig zu reagieren, damit ich nichts verschlafe und ich mit meinem Laden im schlimmsten Fall bankrott gehe.

  1. Verantwortung übernehmen

Ein Punkt, der auch häufig unterschätzt wird und was von außen oft so „leicht“ aussieht: Als Inhaber und Geschäftsführer übernimmt man nicht nur die Verantwortung für den Laden, das tägliche Funktionieren, sondern auch, dass das Finanzielle jeden Monat passt und alle Mitarbeiter glücklich sind. Diesen Druck hat man immer auf seinen Schultern und ich finde, der darf auch nicht unterschätzt werden. Denn für alles, was in meinem Geschäft passiert, trage ich die Verantwortung. Es gibt auch viele Posten von „außen“ also die mir rein gesetzlich auferlegt sind und auch hierfür stehe ich in der Verantwortung, dass alles richtig auszuführen, weil mir sonst Maßnahmen drohen, die nicht immer „schön“ sind.

3. Die Mitarbeiter führen

Wenn man ein Geschäft hat und nicht nur selbstständig ist, hat man oft auch Mitarbeiter, um die man sich „kümmern“ muss. Ich zum Beispiel möchte auch, dass diese glücklicher aus dem Lotti rausgehen, als sie dort angefangen haben zu arbeiten und auch dafür ist viel Energie nötig, sie in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Außerdem möchte ich, dass alle bei ihrer Arbeit glücklich sind und da heißt es, kommunizieren und sich um ihre Bedürfnisse kümmern. Die manchmal auch in direkter Konkurrenz zum Unternehmen stehen und wo es dann meine Aufgabe ist, einen bestmöglichen Kompromiss für alle zu finden.

Mitarbeiter sind Menschen und keine Roboter und auch sie haben Gefühle, gute und schlechte Tage und es passieren Dinge in ihrem Leben. Da ist es auch als guter Chef wichtig, richtig reagieren zu können und dem Mitarbeiter alles zu ermöglichen, was er in so einer Situation braucht.

4. Probleme lösen und sich um alle Dinge kümmern

Einen Satz, den ich über neun Jahre immer wieder sage ist: „Jeder Tag bringt eine Überraschung“ und diese ist fast nie kalkulierbar. Ob einen Wasserschaden, oder dass ein wichtiges Gerät auf einmal nicht mehr geht, oder sich ein Mitarbeiter kurzfristig den Arm bricht. Als Chef muss man flexibel sein und auf kleinste Eruptionen reagieren können und möglichst schnell eine Lösung parat haben. Denn es ist der permanente Druck da, dass das Geschäft ja sonst nicht öffnen kann, man Gäste unglücklich macht und auch kein Geld verdient.

5. Im Notfall da sein und einspringen

Die einzigen 5 Tage im Jahr an denen ich wirklich so richtig entspannt bin, sind die an denen wir geschlossen haben, weil ich weiß, dass da nix passieren kann. Auch wenn ich das beste Team auf Erden habe und sie mich für den täglichen Ablauf nicht brauchen, kann wie oben beschrieben, ja immer irgendwas sein. Daher bin ich gefühlt immer auf Abruf, um sofort reagieren zu können. Auch wenn kurzfristig mal ein Mitarbeiter krank sein sollte, bin ich der, der im schlimmsten Fall sein Leben zurückstellt, um für das Geschäft, also das Lotti da zu sein.

6. Sich weiterbilden und auf dem neuesten Stand sein

Wie oben schon mal erwähnt, dreht sich das Leben mittlerweile extrem schnell und die Trends verändern sich rasant. Als Geschäftsinhaber muss man immer up-to-date sein und auf diese reagieren. Das was noch vor ein paar Jahren die Regel war, hat sich verändert und das was vor ein paar Jahren allen geschmeckt hat, mag auf einmal keiner mehr. Daher muss ein Chef immer wieder auf Fortbildungen gehen, Kurse zur Weiterbildung machen oder wie ich in andere innovativere Städte reisen, um die Gastronomie-Szene zu beobachten und zu sehen, was dort schon „in“ ist.

7. Auf Events gehen und netzwerken

Da ich Menschen liebe und gerne mit ihnen zusammen bin, treffe ich gerne andere und lerne neue Leute kennen. Man kann sich austauschen, gegenseitig inspirieren und unterstützen, wenn der andere nicht weiterweiß. Ob in seinem Metier oder gar in einer anderen Branche, wenn man selbstständig ist, hat man nun mal die gleichen Themen, die einen beschäftigen oder schon mal beschäftigt haben. Was mir auch Sicherheit gibt, ist, immer zu wissen, wen ich aus meinem Netzwerk fragen muss, wenn ich mal nicht mehr weiterweiß. Aber auch das kostet trotzdem Zeit und auch Energie, da man sich ja komplett auf die Menschen einlässt und für sie da ist.

Das wird aber oft von anderen nicht gesehen, und man muss da auch ehrlich sagen, dass man als selbstständiger in dieser Zeit effektiv nicht mal einen Cent verdient.

8. Sich um den täglichen und monatlichen „Bürokram“ kümmern

Wenn ich Menschen sage, dass ich da nicht kann, weil ich arbeiten muss, denken sie „arbeiten im Café Lotti“. Wenn ich aber dann sage, dass es Bürokram ist, werde ich oft unverständlich angesehen. Man glaubt gar nicht, was täglich und auch monatlich so alles anfällt.

Meinen Beratungskunden sage ich oft, dass wenn sie selbstständig werden, oft fast nicht mehr dazukommen, diese tägliche Arbeit im Laden zu verrichten, weil sie in eine Manager-Position kommen und sich um alles Mögliche kümmern müssen.

Businessplan für ein Café

9. Andere beraten und mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben

Manche Unternehmer haben nicht nur einen sondern oftmals mehrere Läden. Das heißt, dass was ich hier für ein Geschäft beschrieben habe, muss man dann mal drei oder fünf oder zehn nehmen. Beziehungsweise brauchen dann die unterschiedlichen Geschäfte an verschiedenen tagen unterschiedliche Aufmerksamkeit.

Bei mir ist es so, dass ich noch andere Unternehmer oder Cafégründer bzw. -besitzer berate und diese Beratungen finden dann meistens außerhalb des Lottis statt, weshalb ich auch nicht immer für alle „sichtbar“ bin.

10. Versuchen, auch mal nichts zu tun 🙂

Haha, und was ich fast noch vergessen hätte… Wir Chefs arbeiten eigentlich immer! Sich da mal gezielt auszuklinken und mal nichts zu tun, ist wohl unsere schwerste Aufgabe.

Denn auch wenn wir uns mal nur mit Freunden treffen, (die aber meistens eben auch Unternehmer sind) etwas lesen, Sport treiben oder auch mal fernsehen (wie z.B. „Die Höhle des Löwen“), wir denken immer an unser Geschäft, was dort gerade passiert, was morgen ansteht oder was man vielleicht wie besser machen kann.
Auch in unserer vermeintlichen Freizeit gehen wir mit offenen Augen durchs Leben, haben unsere Tätigkeit stets im Hinterkopf und „zerdenken“ etwas, das uns gerade beschäftigt.

Ach ja, meine Freunde beschweren sich übrigens regelmäßig, wenn sie mit mir in ein Café oder Restaurant essen gehen, dass ich mich permanent umsehe, alles in mir aufsauge und immer den Service bewerte. Ich glaube, dass nennt man „Berufskrankheit“!

Und es stimmt, man hat als Chef auch mal Freizeit und kann sich seine Zeit, wann man was macht, oftmals selbst einteilen, dennoch seht ihr, dass man als Unternehmer trotzdem einen Haufen zu tun hat, was man von außen meist gar nicht so deutlich sieht.

Eure Sabrina