Cafe Lotti Presse

Amberger Zeitung

Stück Amberg mitten in München
Statt im Hörsaal jetzt hinterm Tresen: 21-Jährige eröffnet mit Freund Café in der Landeshauptstadt

München/Amberg.
Sabrina Lorenz ist 21 Jahre alt. Wie viele ihrer Freunde ist sie nach München gezogen, um dort zu studieren. Bei ihr hätte es etwas solides, Lehramt, sein sollen. Ursprünglich. Denn jetzt lebt die gebürtige Ambergerin ihren Traum. Statt im Hörsaal steht sie jeden Tag in einem Café an der Schleißheimerstraße 13. Es ist ihr eigenes. Auf ihren ersten Metern ist die Schleißheimerstraße noch nicht die pulsierende Verkehrsader, zu der sie sich später entwickelt. Dort gleicht sie viel mehr einer Nebenstraße, einer Gasse. Nun liegt das Café wie eine kleine Perle darin. Café Lotti sein Name. Auf einer Schiefertafel stehen die Angebote des Tages, hinter Glas selbstgemachte Kuchen, jeweils eine weiße Rose in einer kleinen Vase auf den Tischchen.

Lange gegärt
Der Entschluss, selbst ein Café zu betreiben, gärte schon lange in ihr. Ernst wurde es im September vergangenen Jahres. Zusammen mit Achim Hüttner besuchten sie dessen Cousine samt Famlie. „Beim Frühstück unterhielten wir uns über Kaffee im Allgemeinen, Cafés im Besonderen – und über meinen Traum, selbst eines zu führen“, erinnert sich Sabrina. Aber es sprachen eben viele Argumente gegen diesen Traum: Eine Ausbildung machen, studieren, etwas Vernünftiges lernen, eben Sicherheit haben. Der klassische Text. Auf der Heimfahrt habe Achim dann gesagt: „Wir machen das.“ Er bekräftigte sie in ihrer Idee. Plötzlich ging alles sehr schnell.

Wenige Tage später hatte das Paar die ersten Besichtigungstermine ausgemacht. Gleich die erste, war die richtige Adresse, da sind sich die beiden heute noch einige. „Wir haben insgesamt drei Objekte angesehen – aber das erste war es“, erzählt Achim Hüttner. Das Gebäude ist ein Haus aus der Gründerzeit, vom Besitzer aufwendig saniert. Das Gefühl habe von Anfang an gestimmt, wie Sabrina Lorenz sagt, „weil wir eben schon genau wussten, was wir suchen – und es passte perfekt“. Die Lage ist es allerdings auf den ersten Blick nicht. In den Szenetreffs um die Uni, in Schwabing oder im Glockenbackviertel würde wahrscheinlich der Bär steppen. Das wissen die beiden. Darauf kommt es ihnen allerdings nicht an. „In den Szenevierteln entsteht nie so eine vertraute Verbindung, die ich jetzt schon zu meinen Gästen habe.“

Wie zur Bestätigung winkt eine Frau im Vorbeigehen freundlich lächelnd durch das große Fenster. Sie betreibt eine Boutique nebenan. Der Vater eines der Betreiber einer Tanzschule um die Ecke zählt schon zu den Stammgästen. „Die Leute sind freundlich, die kommen allein schon um mit uns zu ratschen“, freut sich Sabrina Lorenz über die Aufnahme in die Nachbarschaft seit der Eröffnung im Dezember.

Sabrina Lorenz und ihr Lebensgefährte Achim Hüttner haben bei der Einrichtung vor allem auf die Details geachtet. Ein bisschen Landhausstil. Wie ein englisches Café, nicht nur wegen der vielen Fotos von der Inseln an den Wänden. Vor einigen Jahren hat Sabrina Lorenz ein paar Monate in England gelebt. Sie verliebte sich in Land und Leute.

„Das macht Mut“
Aus Amberg nahm sie auch wichtige Erfahrungen in der Gastronomie mit. Zweieinhalb Jahre bediente Sabrina Lorenz in einem Amberger Café. „Vor allen Dingen in Sachen Service war das eine ganz, ganz gute Schule“, sagt sie heute. Damals hätten sie die vielen Regeln von ihrem Chef „genervt“. Aber mittlerweile könne sie ihn verstehen, es seine eben die Kleinigkeiten, die zählen. „Der Gast soll sich hier wie ein König fühlen“.

Heute beschäftigt sie selbst ein halbes Dutzend Bedienungen. Eine „Kurzschlussreaktion“ war die Eröffnung des Cafés schon, räumt Sabrina Lorenz ein. Aber eine, die weder sie noch Achim Hüttner bereuen. „Es war mutig, diesen Schritt mit 21 Jahren zu gehen, während meine Freundinnen einem nahezu geregeltem Leben nachgehen“, sagt sie. „Aber ich kriege ganz viel von den Leute zurück. Das macht mir Mut.“