Cafe Lotti Presse

Süddeutsche Zeitung

Bunte Schätze zwischen grauen Häuserschluchten
Die Schleißheimer Straße verband einst München mit der Sommerresidenz der bayerischen Herrscher – heute endet die Fürstenachse in einem U-Turm am Goldschmiedeplatz

Kein Wunder, dass ein helles, klares Weiß an diesem schönen Tag ins Auge sticht: Holzstühle und -tische, Stuhlkissen mit rosa Blümchen verziert, und das alles in einem großen, offenen Fensterteil. Ein von Eisenschnörkeln gehaltenes weißes Schild verkündet den Namen dieses leuchtenden Ortes: „Cafe Lotti“ (das selbse Schild-Design fidnet sich übrigens noch zwei Mal in der Nachbarschaft, man legt hier Wert auf einen gewissen Stil).
Das „Cafe Lotti“ jedenfalls. Es sticht jedem Passanten sofort ins Auge, das kann man beobachten, wenn man sich auf einem der weichen Stuhlkissen niederlässt. Erstaunen ist in den Blicken, die Augen sind wie festgenagelt, während die Füße weitergehen. So mancher scheint anhalten zu wollen, um einzukehren, überlegt es sich aber anders angesichts eiliger Termine oder kehrt später zurück. Wir aber sitzen hier gut, lassen uns von der Freundlichkeit der Bedienung, die der rosa Wandfarbe im Cafe in nichts nachsteht, übergießen und lächeln über die Kreideschrift an der Tafel: „Kuchen von Mama, selbstgemachter Käse von der Tante“. Den zahlreichen Zeitungsausschnitten an der Wand ist zu entnehmen, dass ein Ehepaar aus Amberg die mutige Idee hatte, in der Stadtein Cafe zu eröffnen. Offenbar mit großem Erfolg und das will man glauben. Die ungewöhnliche Helligkeit zieht alle Motten an. Im Moment gerade zwei Al Italia Piloten, die in ihrer Flugmontur und mit Köfferchen hier einkehren.
Doch wir müssen weiter, leider.
02.11.2010