Kitchen2Soul im Interview mit uns über ihre Café-Gründung

Wie ihr bereits wisst, sehe ich andere Münchner Cafés nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Kollegen und Freunde an. Aus diesem Grund haben wir unser GastrOwners-Netzwerk gegründet, in dem wir uns unter Café-Besitzern austauschen und helfen können. Bei unserem ersten Treffen war unter anderem Katrin von Kitchen2Soul dabei und heute möchten wir sie auch euch vorstellen: Für euch haben wir Katrin und ihrer Mitgründerin Tatjana ein paar Fragen zu ihrer Café-Gründung gestellt, die wir heute mit euch teilen möchten. So entdeckt ihr vielleicht ein neues Café und erfahrt ganz viel darüber, wie die beiden ihr Café führen 🙂 Viel Spaß beim Lesen!

Wie ist die Idee für Euer Café entstanden? Was war der Grund, warum ihr es eröffnet habt?

Tatjana und ich saßen Anfang 2015 zusammen beim Abendessen und reflektieren über unseren beruflichen Status und Träume. Tatjana hatte gerade eine berufliche Ernüchterung hinter sich: Im September letzten Jahres wurde sie Oberärztin und dachte, dass es bestimmt ganz toll würde. Schnell stellte sich raus, dass sie die Kompetenzen, die sie hätte bekommen sollen, nicht bekommen würde. Sie war sehr unzufrieden und ihr war klar, dass sich dieses Gefühl in diesem Krankenhaus nicht ändern würde. Ein paar Tage zuvor hatte sie sich notiert: „In den nächsten 10 Jahre eröffne ich eine Begegnungsstätte mit Veranstaltungen.“

Mir (Katrin) ging es ähnlich, ich war seit 8 Jahren in einer Unternehmensberatung angestellt und war dort zuständig für das Personal. Ich hatte eine abgeschlossene Coachingsausbildung, kam ursprünglich aus der Hotellerie und hatte auch schon einige Zeit das Gefühl, dass es Zeit wird für eine grundlegende Veränderung.

Ich sagte dann im Laufe des Abends irgendwann: „Ich hätte total Lust auf so ein Coaching-Café.“ Wow, da hatten wir beide die gleiche Idee, wenn auch mit unterschiedlichem Fokus.

Wie lange hat es mit der Café-Gründung gedauert, vom ersten Gedanken bis zur Eröffnung?

6 Monate (Idee im Januar 2015, Eröffnung im Juli 2015)

Wo habt ihr Euch vorab informiert?

Internet, befreundete Gastronomen, Bezirksamt

Wie habt ihr Euch für die Café-Gründung finanziert? Hattet ihr Rücklagen?

50% Eigenfinanzierung, 50% Bank

Ist ein Café zu besitzen genauso, wie ihr es euch vorgestellt habt?

Tatsächlich hatten wir keine wirkliche Vorstellung davon, wie es sein wird, insofern fällt der Abgleich zwischen Vorstellung und Realität schwer. Uns war klar, dass es harte Arbeit sein wird und das ist es auch. Aber eine die Spaß macht, einen mit tollen Menschen zusammen bringt, täglich herausfordert und die Möglichkeit gibt, selber zu gestalten.

Was hat sich in eurem Leben verändert, seitdem ihr euer Café besitzt?

Alles 😊 Das geregelte Leben so wie es war gibt es nicht mehr. Freizeit ist weniger, dafür schätzt man sie umso mehr, wenn man sie hat.

Was war die schönste Erfahrung, die ihr bisher gemacht habt?

Diese eine schönste Erfahrung gibt es nicht. Die Begegnung mit unseren Gästen ist jeden Tag eine schöne Erfahrung. Wenn morgens die ersten Leute reinkommen und einen Kaffee bestellen. Stammgäste, die jeden Tag kommen und uns auch nach fast 3 Jahren immer noch toll finden. Das ist schön. Fremde und neue Leute, die ganz andächtig kommen und fragen: „Wie lange gibt es Euch denn schon? – das ist echt schön hier.“ Diese positiven Reaktionen, die motivieren jeden Tag aufs Neue. Wenn jemand sagt: „Toll, was ihr hier macht“ – das geht immer noch runter wie Öl.

Was ist die lustigste Geschichte, die euch (mit Gästen) passiert ist?

Ein Pärchen, das zusammen auf der Toilette verschwunden ist und erst auf Nachfrage zerzaust wieder raus kam… Man muss dazu sagen, es war nachmittags um 15 Uhr, der Laden war voll und wir haben nur eine Toilette. J Das war schon ein Lacher!

Was ist die größte Herausforderung, die euch seit der Eröffnung begegnet ist?

Als der Backofen an einem Dienstagvormittag kaputt gegangen ist und wir das irgendwie managen mussten, trotzdem den Laden am Laufen zu halten inkl. frisch gebackenen duftenden Franzbrötchen, Quiche und Kuchen. Wir haben es hinbekommen mit Unterstützung der Nachbarn und der Polizei, unserem Freund und Helfer J. Am Mittwochnachmittag haben wir dann bei laufendem Betrieb den neuen Ofen installiert und alles war vergessen.

Wie vereint ihr Arbeit und Privatleben? Haltet ihr euch an bestimmte Dinge, um die Balance zu halten?

Teilweise findet das Privatleben natürlich in unserem Laden statt. Wir veranstalten z.B. einmal im Monat einen Stammtisch für Freunde, die dann auch zahlreich kommen und immer schöne Abende mit uns verbringen. Außerdem gehen wir regelmäßig zum Sport und arbeiten nie am Sonntag selber im Laden.

Wenn ihr nochmal ein Café eröffnen würdet, was würdet ihr anders machen?

Wir würden von Anfang an in eine richtig gute Spülmaschine investieren, da unser günstiges Modell seit 3 Jahren täglich nervt.

Was macht euer Café besonders? Was ist eure Philosophie?

Das kitchen2soul ist mehr als nur ein „klassisches Café“. Wir sind das erste „Coaching-Café“ Deutschlands. Wir vereinen einen Cafébetrieb mit einem hochwertigen Veranstaltungsprogramm und einem themenspezifischen Buchhandel, das gibt es so sonst noch nicht.

Wer übernimmt bei euch welche Aufgaben?

Katrin: Café-Management, Einkauf, Buchhaltung, Personalführung, Marketing

Tatjana: Veranstaltungsorganisation, Marketing

Markus (Tatjanas Lebensgefährte): Buchhandel, handwerkliche Aufgaben

Wie geht ihr mit Problemen um (wenn mal etwas schiefgeht, kaputtgeht, ein Schaden eintritt, usw.)?

Ruhe bewahren, Übergangslösung installieren, umgehend Recherche starten für evtl. Ersatz und schnell bestellen – aber höchste Priorität ist wirklich Ruhe bewahren und die Gäste nichts merken lassen von dem Ärger oder der Anspannung. Und Markus ist handwerklich unser Ass im Ärmel, wenn‘s brennt, kommt er schnell und repariert z.B. die Kaffeemaschine oder macht den Abfluss wieder flott.

Wie sucht ihr eure Mitarbeiter aus?

Aushang, Facebook-Post, Empfehlungen. Wir bekommen aber auch viele Initiativbewerbungen. Die für uns interessanten Bewerber laden wir zu einem persönlichen Gespräch ein und schauen ob es passt.

Wie macht ihr euer Marketing?

Social Media, Flyer, Zeitungsanzeigen für Veranstaltungen

Wo sammelt ihr Inspirationen für euer Café?

In anderen Cafés, vor allem in anderen Städten, im Urlaub z.B. Dann auf Instagram und Facebook, in Koch- und Backbüchern oder in Zeitschriften.

Wenn ihr in ein Café geht, was ist euch dort besonders wichtig?

Netter, aufmerksamer und trotzdem nicht aufdringlicher Service und handwerklich gut gemachter Kaffee.

Was ist für euch ein No-Go in einem Café?

Unfreundlichkeit und schlechte Qualität der Speisen und Getränke. Am meisten ärgere ich mich über schlechten Kaffee.

Was ist euer absoluter Tipp, den ihr allen Gründern an die Hand geben würdet?

Seid Euch bewusst, wieviel Arbeit drin steckt. 80 Stunden sind anfangs ein normales Pensum, das muss man durchhalten können und auch Familie, Partner und Freunde müssen das mittragen wollen und können.

Falls ihr schon einmal mit Sabrina zusammengearbeitet habt, wie war die Zusammenarbeit mit ihr?

Zusammen gearbeitet haben wir bisher noch nicht. Aber ich habe Sabrina als eine sehr professionelle und herzliche Person kennengelernt, die uns nie als „Konkurrenz“ begegnet ist, sondern immer unterstützend und hilfsbereit. Ich finde es toll, wie sie den Austausch mit anderen Gastronomen organisiert, davon profitieren wir alle sehr. Vielen Dank dafür.

Wir bedanken uns bei der lieben Katrin und Tatjana und hoffen, dass auch ihr Lust bekommen habt, die beiden kennenzulernen und das Kitchen2Soul zu besuchen!

Kitchen2Soul
Schlörstraße 4
80634 München

Telefon: 089 45238640
E-Mail: info@kitchen2soul.com

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag 10 bis 19 Uhr
Freitag 10 bis 20 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr
Sonntag 12 bis 17 Uhr
Montag und Feiertage geschlossen