Cafe Lotti Presse

Ein Stück Amberg in München – Mittelbayerische Zeitung

München.
Wenn Sabrina Lorenz am Wochenende ihre Koffer packt und sich auf den Weg nach Amberg macht, dann sagt sie nicht mehr, dass sie „nach Hause“ fährt. Ihr Zuhause ist jetzt München, ihre Wohnung, ihr Café, ihre Freunde, ihr Leben. Fragt man sie aber nach Amberg, dann fallen Worte wie Geborgenheit, Sicherheit. Und Heimat.

Sechs Jahre ist es her, dass Sabrina Lorenz mit ihrem damaligen Freund beisammen saß und die beiden beschlossen, in München ein Café zu eröffnen (die MZ berichtete). Lorenz war damals gerade einmal 21 Jahre alt.
Der Traum vom eigenen Café

„Für meine Eltern war das bestimmt ein Schock“, sagt sie heute. Trotzdem hätten ihre Eltern nie gezweifelt und sie immer unterstützt. Auch dann, als alles plötzlich ganz schnell ging, weil sie eine geeignete Immobilie gefunden hatte. Die Eltern renovierten, verlegten Kabel und nähten Kissenbezüge.

„Ich war gar nicht traurig“, sagt Sabrina Lorenz heute über den Abschied damals: „Ich wollte das so“. Das Café war ihr Traum, seit sie im Amberger Café Zentral gekellnert hatte. Und dieser Traum, sagt sie, war größer als jede Angst und jede Traurigkeit.

Um zehn Uhr morgens öffnet das kleine Café in der Maxvorstadt unweit des Münchner Zentrums. Schnell füllen sich die Tische: Es läuft richtig gut, „schon nach etwa einem Jahr waren wir an einem guten Punkt“, sagt Lorenz. Heute zählt das Café Lotti zu den Trendlocations der Stadt, ist an den Wochenenden bis zum letzten Platz reserviert. Mehr als 15 000 Menschen „gefällt“ der Café-Lotti-Auftritt bei Facebook, die Bewertungen auf den einschlägigen Portalen sind fast durchweg positiv. Alles sieht danach aus, als hätte Lorenz es geschafft.
Amberg-Gefühl in München

Sie wollte in München so etwas wie ein „Amberg-Gefühl“ aufbauen, erzählt Lorenz. Einen Ort, an dem jeder jeden kennt, an dem man sich willkommen und geborgen fühlt. So wie sie in Amberg. Dazu gehört das rosa-weiße-Mädchentraum-Ambiente in ihrem Café genauso wie der Käse von Tante Berti, die Wurst vom Großcousin Hans und die Bio-Eier von Freund Franze, die selbstgekochten Marmeladen und die Kuchen nach Mamas Rezept: „Wir wollen so etwas wie das Wohnzimmer von Freunden sein. Dazu gehört auch, dass wir nur das anbieten, was wir auch unseren Freunden anbieten würden“.

Die Heimat als Geschäftskonzept, das geht auf. „Das Lotti-Imperium wächst“, sagt Lorenz, die inzwischen an der Münchner Hochschule Unternehmensführung studiert. Das Café ist dabei ihr Standbein, das ihr die Freiheit gibt, sich weiterzuentwickeln und neue Ideen zu verwirklichen. Die Marke Lotti ist mittlerweile etabliert: Unter dem Motto „Lotti lädt ein“ führt Lorenz jetzt auch Veranstaltungen durch, Macaron-Backen, Styling-Parties mit Prosecco, auch einen Amberg-Stammtisch gibt es regelmäßig. Früher hatte Lorenz mal von einer Lotti-Kette geträumt, nun möchte sie eher erst einmal das ausbauen, was sie hat. Zur Seite steht ihr dabei auch ein Mentor, ein pensionierter Unternehmer, natürlich aus Amberg.
Oberpfälzer sind nicht immer süß

Sabrina Lorenz mag das Leben in München. Aber, sagt sie, es ist eben das Leben einer Großstadt, gehetzter, geschäftiger, viel anonymer als daheim. Sie hat sich schnell eingefunden in dieses Leben, auch durch ihr Café. Doch die Oberpfälzerin in ihr kommt immer wieder durch: „Ganz blöd ist es beim Servieren“, sagt sie, „da muss ich Reiberdatschi sagen. Dabei heißt das bei uns Dotschn.“ Und auch das Grantige komme immer wieder durch. Oberpfälzer seien eben „nicht immer süß und lieblich, da ist alles ein bißchen zackiger“. Sagt sie. Und zackig muss sie sein, schließlich ist sie hier die Chefin, 15 Mitarbeiter hat sie inzwischen, drei davon festangestellt.

Das ist anstrengend, so schön es auch ist, aber sie kann es hinter sich lassen, wenn sie etwa einmal im Monat nach Amberg fährt. Da ist sie dann wieder die Sabrina, die auf der Straße alte Bekannte trifft und die sich gerne von Mama verwöhnen lässt. Da kann sie Kraft tanken, bevor sie sich wieder auf den Weg nach München macht: Von der Heimat nach Hause.

Auch wenn sie oft schon lang weg sind: Viele Oberpfälzer in München fühlen sich ihrer Heimat eng verbunden. Die MZ stellt in der Serie „Oberpfälzer in München“ einige von ihnen vor.

Von Katia Meyer-Tien
16.12.2015