Cafe Lotti Presse
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LEO. Magazin Amberg

Ein Stück Amberg in München

Für die einen ist es ein bisschen Heimat in der Großstadt, für die anderen so etwas wie ein zweites Wohnzimmer. Und für Sabrina Lorenz aus Amberg ist es der Lebenstraum, den sie sich verwirklicht hat:Das Café Lotti mitten in der Münchner Innenstadt.

Autos stauen sich an der Ampel, Menschen mit Bürotaschen im Arm und Handy am Ohr laufen über die Straße, eine alte Dame bindet ihren Dackel vor der Ladentür an, während die Schüler zur U-Bahn hetzen, um noch rechtzeitig zum Unterricht zu kommen. Großstadt-Alltag mitten in München. Beinahe hätten wir das Schild übersehen, auf dem in Schnörkelbuchstaben „Café Lotti“ zu lesen ist. Wir sind an unserem Ziel angekommen und betreten einen Raum in Rosa und Hellblau. Entspannte Menschen sitzen an weißen Tischen vor romantischen Blümchenvorhängen und kleinen Bildern an der Wand, trinken Kaffee aus zierlichen weißen Tassen. Frühstücken, lachen zusammen und prosten sich mit ihren Prosecco-Gläsern zu, reden miteinander, begrüßen sich gegenseitig und uns gleich mit. Fast möchte man glauben, man sei mitten in einer Familienfeier gelandet oder bei der besten Freundin zuhause. Aber nein, wir sind hier schon richtig. Wir sind im Café Lotti.

„Mit dem Lotti wollte ich der Anonymität der Großstadt ein Stückchen Persönlichkeit verleihen“, erzählt Sabrina, während sie zwei herrlich duftende Tassen Cappuccino vom Tablett nimmt und vor uns auf den Tisch stellt. Der Kaffee stammt übrigens von der Bavarian Roasting Company aus Amberg. So wie fast alle anderen Produkte, die hier serviert werden, aus der Oberpfalz kommen. Eigentlich ist das Lotti fast so etwas wie ein oberpfälzer Familienbetrieb – und das mitten in Oberbayern. Der Käse kommt von Tante Berta und die Wurst aus der Landmetzgerei des Großcousins. Den Kuchen gibt es nach Mamas Rezept. Genauso wie auch die selbstgemachten Marmeladen und die Lotti-Limo Jede Woche bringt Sabrinas Freund Achim, mit sie seit fast drei Jahren das Café betreibt und der natürlich auch Amberger ist, die frischen Produkte mit in die Landeshauptstadt. Dort begeistern diese die Münchner Gäste. Nicht umsonst landete das Lotti in der Kategorie Frühstück auf dem dritten Platz im bekannten Gastroführer „München geht aus“. Sowie in Artikeln in der Süddeutschen, der Emotion oder in der TZ. Der Lotti-Käsekuchen hat wohl inzwischen Kultstatus erreicht Genauso wie das Café selbst.

Dass sie bereits mit 23 eine erfolgreiche Gastronomin sein würde, das ahnte Sabrina vor Jahren noch nicht. Nach dem Abitur wollte die Ambergerin, die schon während der Schulzeit im Café Zentral jobbte, eigentlich nach München, um zu studieren. Raus in die Welt wollte sie und rein in die Großstadt. Von ihrer beruflichen Zukunft gab es noch keine konkreten Vorstellungen. „Den Traum, mal ein Café zu haben, hatte ich zwar schon dauernd im Hinterkopf“, erzählt Sabrina, die von den Nachbarn in München inzwischen gerne „Frau Lotti“ genannt wird. „Aber dass es dann so schnell ging, das hat mich selbst überrascht.“ Eine verhauene Aufnahmeprüfung für ihr Englischstudium nahm ihr die Entscheidung ab. Aus dem Studium wurde erst einmal nicht. Innerhalb nur weniger Tage beschloss sie dann spontan mit ihrem Freund Achim, das Lotti in der Münchner Innenstadt zu eröffnen. Das Konzept nahm schnell Gestalt an, die Räume in der Schleißheimer Straße waren ein Glückstreffer. „Wir haben etwas Verschnörkeltes gesucht, etwas mit Bögen und Nischen. Einen Raum eben, wo man sich wohlfühlen kann. Den haben wir hier gefunden, hier hat sofort das Gefühl gestimmt“, erinnert sich Sabrina und sieht sich in ihrem zweiten Zuhause um, wo sie sechs Tage die Woche selbst anzutreffen ist. Ja, man fühlst sich einfach wohl zwischen den Blümchenvorhängen die die Mama genäht hat, den süßen Tischchen, die eigentlich eher an die Wohnung einer guten Freundin erinnert als an ein Café, und den weichen Sofas in der Nische, die auch gut in ein Wohnzimmer passen würden. Wir bestellten uns noch einen Cappuccino und lehnten uns bequem auf der Bank am Fenster zurück. Draußen herrscht immer noch Großstadtverkehr. Aber im Lotti scheint die Welt stillzustehen.

Stillstehen – das ist etwas, was für Sabrina jedoch ganz und gar nicht in Frage kommt. Sie ruht sich nicht auf ihrem Erfolg aus, sie scheint dauernd in Bewegung zu sein. Ideen für die Zukunft sprudeln nur so aus ihr heraus, wie die selbstgemachte Lotti-Limo aus den Glaskaraffen an der Theke. „Vielleicht wird es bald mehrere Lottis geben, auch in anderen Städten“, meint Sabrina verschmitzt und zwinkert. „Vielleicht auch in Amberg, wer weiß“ Selbst in ihre Heimatstadt zurückzukehren, kann sich „Frau Lotti“ aber nicht vorstellen. Sie hat ihren Lebensmittelpunkt inzwischen in München gefunden. „Natürlich wird immer ein Stückchen von mir nach Amberg gehören“, sagt sie. „Aber mittlerweile fühle ich mich mehr in München zuhause.“ Menschen aus der Heimat trifft sie schließlich auch hier genug. Regelmäßig kommen Bekannte, die es inzwischen auch in die große Stadt verschlagen hat, oder die ein paare Tage hier sind und die Gelegenheit nutzenwollen, das Lotti zu besuchen. Regelmäßig gibt es hier neben Strickrunden und Klamottenpartys auch einen Stammtisch für Amberger. Deswegen wundert es uns auch nicht, dass uns einige Gäste verdächtig bekannt vorkommen und uns mit einem netten „Hallo“ begrüßen, wenn wir an ihren Tischen vorbeigehen. Im Lotti fühlt man sich eben irgendwie daheim. Und das mitten in München.

Text: Evi Wagner, Fotos: Daniela Kleber
01.11.2011