Cafe Lotti München

Mittelbayerische Zeitung

Café Lotti: Heimat als Erfolgsrezept

Die Ambergerin Sabrina Lorenz hat sich in München mit ihrem Lokal gegen eine große Konkurrenz durchgesetzt.

München. Amberg in München ist rosa. Und weiß, mit dezentem Blümchenmuster. „Süß“, ist das erste Wort, was einem beim Betreten des Café Lotti einfällt, „Gemütlich“ das zweite. Sabrina Lorenz sitzt in einer Ecke neben dem Tresen, hinter ihr ein Regal mit Marmelade, mit Likören und XL-Eiern, vor ihr ein Laptop. Das sind die beiden Pole, zwischen denen sich ihr Leben bewegt, seit sie mit 21 Jahren aus ihrer Heimatstadt Amberg nach München kam.

Sabrina Lorenz war 16, als sie drei Monate im englischen Brighton verbrachte. Da saß sie eines Tages in einem Café im Landhausstil, hinter dem Tresen standen zwei Damen und verströmten Wohlfühlatmosphäre. „Das könnte ich mir auch gut vorstellen“, dachte sie damals, und vergaß es bald wieder. Daheim ging es um Schule, Abitur, Studienpläne. England war weit weg. Bald fing sie an zu jobben, im Amberger Café Zentral. „Das hat mir unheimlich viel gegeben“, sagt sie heute. „Der Kontakt mit den Leuten, das war schon toll“, und da war er wieder, der Gedanke an das eigene, kleine Kaffeestübchen.

Speisen aus der Oberpfalz
Nach dem Abitur plante sie ein Lehramtsstudium, schaffte aber die entscheidende Prüfung nicht. Sie nahm es als Wink des Schicksals und gab die Studienpläne auf, und dann saß sie eines Tages mit ihrem Lebensgefährten Achim Hüttner bei Verwandten. Man plauderte über dies und das, in Amberg hatte gerade die Kaffeerösterei „Bavarian Roasting Company“ eröffnet, Sabrina träumte wieder mit offenen Augen vom eigenen Café, und auf der Rückfahrt nach Hause sagte Achim plötzlich: „Wir machen das jetzt einfach“.

Vier Tische sind an diesem Morgen im Café Lotti besetzt, zwei junge Mädchen bestellen ein vegetarisches Frühstück, ein älterer Mann brütet über seinem Weißbier, zwei Studentinnen haben Stundenpläne ausgebreitet. Das Café Lotti liegt im schicken Münchner Stadtteil Maxvorstadt, ganz am Anfang der Schleißheimer Straße – keine Lage für Laufkundschaft. „Das haben wir uns bewusst so ausgesucht, wir wollen, dass die Leute gezielt zu uns kommen“, sagt Sabrina Lorenz. Wohnzimmerflair statt Bahnhofshallenatmosphäre. Das Konzept geht auf: „Die Leute hier im Stadtteil haben uns super aufgenommen“, inzwischen ist das Café Lotti bekannt: Ein Münchner Szenemagazin hat das Lotti kürzlich sogar auf Platz drei der besten Frühstückslokale Münchens gewählt.

Natürlich seien ihre Eltern aus allen Wolken gefallen, als sie beschloss, mit 21 Jahren ihr eigenes Café zu eröffnen – und dann auch noch in München. Doch mit ihrem Freund Achim im Rücken, der die Finanzierung übernahm und ihr mit Rat und Tat zur Seite stand, schaffte sie es tatsächlich, in nur zwei Monaten den geeigneten Standort zu finden, nach ihren Vorstellungen einzurichten und im Herbst 2009 zu eröffnen. „Ich glaube, ganz Amberg hat damals über uns gesprochen“, erzählt sie und grinst. Und als der Plan erst einmal feststand, habe dann auch die ganze Familie geholfen: Der Papa verlegte Kabel, die Mama nähte Kissenbezüge, Achims Vater schreinerte die Bilderrahmen und Tafeln, Achims Mama half und hilft beim Kuchenbacken. Freunde kamen zum Gucken und Helfen. Und so wurde das Lotti zu dem, was es heute ist: ein Stück Oberpfalz in München. Denn Sabrina hat ihre Heimat mitgenommen: Die XL-Eier, die heute im Verkaufsregal stehen, kommen von Freund Franze, der einen Hof in Krumbach hat. Der Kaffee kommt von der Amberger Bavarian Roasting Company. Auf den Frühstückstisch kommen nur Käse von Achims Tante Berta aus Engelsdorf, die Wurst liefert Großcousin Hans aus Heimhof, alle Kuchen sind nach Oma-Rezepten gebacken. Und auch die Marmelade ist selbst gemacht, genauso wie die Liköre: Heimat als Erfolgsrezept.

Treffpunkt Internet
Doch ein gutes Konzept reicht schon lange nicht mehr, um ein Restaurant zum Erfolg werden zu lassen. Bekannt werden und bleiben ist das A und O in der Münchner Gastronomie. Ebenso häufig wie in der Küche und im Gastraum trifft man Sabrina Lorenz deswegen im Internet: Regelmäßig ist sie bei Facebook unterwegs, beantwortet Kunden- und Fanfragen, plant Veranstaltungen und gibt außerdem Radio- und Zeitungsinterviews.

Zwei Festangestellte und zehn Aushilfskräfte hat sie inzwischen – das Café läuft ganz gut. Knapp zwei Jahre nach der Eröffnung ist sie zuversichtlich, dass das Lotti auch langfristig ein Erfolg wird. Und langsam, sagt Sabrina Lorenz, denke sie auch schon an andere Projekte. Ein zweites Lotti, in Amberg, zum Beispiel. Und dann ein drittes, auch in München. Und dann vielleicht noch etwas ganz anderes. Schließlich ist sie ja noch jung.